Das Hainsberger Schwandorf-Wochenende

Vom 11. bis 13. Mai 2018 nahmen wir am alljährlichen Auswärtswettkampf in einem Freibad teil. Nachdem es uns im letzten Jahr nach Herford in Nordrhein-Westfalen verschlagen hatte, kehrten wir in diesem Jahr wieder ins byarische Schwandorf zurück, wo wir bereits zum fünften (?) Mal als bunter, aber hauptsächlich rot gekleideter Haufen unterschiedlichster Altersklassen aufschlugen. Diesmal mit dabei waren Sportler von AK 8 aufwärts bis in den Mastersbereich. Im Folgenden nun ein (gar nicht so kurz geratener) Abriss der Erlebnisse dieses Wochenendes.

Tag 1

Der erste Tag stand als Anreisetag unter dem Motto "Kilometer machen". Anders als in den Jahren zuvor fuhren wir nicht mit einem Reisebus, sondern organisierten die Anfahrt mit einigen heranorganisierten und zwei gemieteten Kleinbussen, die von den Trainern, Betreuern und älteren Sportlern gelenkt wurden. Die zwei Mietbusse mussten noch vom Mietwagenverleih am Flughafen ans Hains überführt werden, und noch größer als die Verwunderung über fehlende Schaltknüppel in den Bussen (wer fährt denn schon Automatik) war die Erleichterung, als tatsächlich alle Taschen, Rucksäcke, Isomatten, Schlafsäcke und Zelte im Innenraum verstaut waren. Die Sportler hatten sich offensichtlich die Appelle zu Herzen genommen und die großen Ganzkörper-Kuschelkissen und voraufgeblasenen Fünfmann-Schlaraffenluftmatratzen zuhause gelassen. Der Abschied von den Daheimgebliebenen am Hains fiel dann leichter als erwartet, denn alle waren schon gespannt auf das, was sie die nächsten zwei Tage erwarten würde.

Nachdem die Abfahrt naturgemäß nicht ganz pünktlich 15 Uhr am Hains war, wurde in Wilsdruff noch eine Busbesatzung abgeholt und dann auf die Autobahn gestartet. Diese erwies sich glücklicherweise relativ leer und staufrei, sodass die noch vor uns liegende Wegstrecke schnell kleiner wurde. In den Bussen herrschte von angenehmer Ruhe bis musikalischer Ausrastbeschallung die komplette Bandbreite möglicher Stimmungen vor. Allein die Lufttemperatur und -qualität dürfte angesichts fast vollbesetzter Plätze überall gleich suboptimal gewesen sein.

Nach etwa der Hälfte legten wir eine 20-Minuten-Pause am Rasthof Vogtland ein. Der Fahrer des AK-12-Busses (sehr wahrscheinlich identisch mit dem Autor dieser Zeilen) nutzte die Zeit, um seine Beine wieder in Funktionszustand zu bringen, denn anscheinend sind die Sitze von Kleinbussen einer großen deutschen Automarke nicht mehr für etwas höher aufgeschossene Menschen geeignet. Der Rest unserer 47-köpfigen Truppe gestaltete die Zeit nach eigenem Belieben, und danach konnten wir die Fahrt pünktlich fortsetzen. Direkt danach war zu merken, dass die Kolonnenfahrt nicht ganz einfach ist, denn der Fahrer des roten Kleinbusses (ein gewisser Benjamin) hatte sich abhängen lassen und war am Autobahndreieck freudig geradeaus gerollt, während die anderen nach links gen Regensburg abknickten. Ob sie den Anschluss wieder fanden - lesen Sie weiter!

Die Autobahn nach Regensburg war noch leerer und die Fahrt dementsprechend noch unkomplizierter. Mit einigen kleineren Orientierungsproblemen wurde dann auch das Tagesziel erreicht: der MovinGround-Park nahe Schwandorf. Stück für Stück trudelten fünf Busse ein, aus denen verschwitzte Fahrer und Sportler herauspurzelten. Mit leichter Verspätung hatte es dann auch der rote Benjamin-Bus geschafft, sein Ziel zu finden. Es hieß nun also: Gepäck ausladen (wem gehört die Tasche; wo ist mein Rucksack; Hilfe, mein Zelt ist weg) und anschließend auf dem Campinggelände aufbauen. Der seit Jahrhunderten überlieferte Zusammenhang: je kleiner die Person, desto größer das Zelt um sie herum, konnte diesmal überwiegend widerlegt werden.

Parallel zum Aufbau wurde schon mit der Zubereitung des Abendbrotes auf einem Grill des Typs "rotierende Rauch-im-Auge-Nervensäge" begonnen. Auch wenn sich das Grillen darauf selbst für erfahrene Grillmeister schwierig gestaltete, die vom Park gestellten Würstchen- und Steak-Produkte schmeckten und wurden an Brötchen und Kartoffelsalat auf Pappteller serviert. Für die meisten hungrigen Mäuler war das aber völlig ausreichend. Nebenbei hatten vor allem die Jüngeren immer noch Kraft, um die zahlreichen Spielgeräte im Park zu testen. Am Ende waren aber alle ziemlich geschafft und fielen relativ zeitig auf ihre Luftmatratzen.

Tag 2

Tag Zwei begann wahrscheinlich für jeden zu einem anderen Zeitpunkt. Manche konnten schon ab halb fünf nicht mehr einschlafen, andere hatten mehr Glück und wurden erst kurz vor dem Beginn des Frühstücks um acht aufgeweckt. Die Morgenstärkung gab es ebenfalls vom Park im Gastronomiebereich (Brötchen mit Beilage, Kakao, Kaffee). Da die Zeit knapp bemessen war, ging es schon halb neun wieder samt Schwimmsachen in die Busse und ins Schwandorfer Freibad. Wir hatten eigentlich gehofft, früh genug da zu sein, um uns unseren "Stammplatz" sichern zu können, leider waren andere noch früher aufgestanden, und so blieb uns eine etwas kleinere Ecke unterhalb des "Schwimmmeister-Towers", mit der wir aber letztendlich auch gut klarkamen.

Mit dem Einschwimmen kam dann auch langsam die Sonne richtig raus, es schien wieder ein sehr heißer Tag werden zu wollen. Zum Sonnenschutz mittels Sonnencreme kamen noch Strohhüte, HSV-Käppis und diverse aus Handtüchern zusammengefaltete Origami-Kopfbedeckungen unterschiedlichsten Aussehens dazu. Das war auch nötig, immerhin sah der Zeitplan einen Wettkampf von 10 bis 19 Uhr und insgesamt 1800 Starts von Vereinen vor allem aus Bayern, aber auch aus Österreich und natürlich auch aus Sachsen, vor, eine ganze Menge bei der eigentlich geringen Zahl an Wettkämpfen.

Es ging los mit den 100 Metern Schmetterling, die vor allem von ein paar AK-14-Sportlern, aus Medaillensicht erfolgreich, geschwommen wurden. Bei den anschließenden 50m Freistil starteten dann auch erstmals die jüngeren. Aufs Podest schafften es hier Masine Gahner, Alia Lange, Helene Röhringer und Lotte Thümmel, die in ihren Jahrgangswertungen jeweils den zweiten Platz belegten. Auch den älteren gelangen hier vordere Plätze. Bei den Jungs schafften es Mika Kovacs (2007) und Moritz-Joy Schmidt (2006) ebenfalls auf den zweiten Platz, während Moritz Gersch im Jahrgang 2005 alle anderen hinter sich ließ. Und auch Christian "ohne Training" Fritzsche (1995) wurde Zweiter über die 50m Freistil.

Die folgenden Rückenstrecken waren dank klarem Himmel und brennender Sonne besonders unangenehm zu schwimmen, aber alle kämpften sich durch und konnten auch die ein oder andere gute Zeit mitnehmen. Nach den Wettkämpfen über 50m Brust und 400m Lagen sollten als erstes Highlight die 4x50m-Lagenstaffeln folgen. Wir hatten sowohl weiblich als auch männlich zwei Mannschaften gemeldet. Aus irgendwelchen Gründen waren die zweiten Mannschaften aber nicht in der Lage, in ordentlicher Besetzung an den Start zu gehen, sodass bei den Frauen die letzte Schwimmerin und bei den Männern der erste Schwimmer nicht vom Block sprangen. Anschließend sah man einige mit rotem Kopf durch das Bad laufen: die einen rot vor Scham, die anderen rot vor Ärger - mancher hatte vielleicht auch nur Sonnenbrand. Zur Ehrenrettung des Hainsberger SV gewannen die ersten Mannschaften aber jeweils ihre Wettkämpfe: bei den Frauen Nora Flehmig, Anja Große, Paula Wachtel und Elisabeth Sittner in neuer Veranstaltungsbestzeit von 2:16,16 Minuten, bei den Männern Philipp Ziegenbalg, Ludwig Teßmar, Maxim Fritsche und Christian Fritzsche in 2:02,12 Minuten.

Nach der folgenden Mittagspause standen 100m Freistil, 50m Schmetterling, 100m Brust, 50m Rücken, 800/1500 Freistil und die 4x50m-Freistilstaffel auf dem Programm. Dort waren wieder einige ordentliche Leistungen dabei, die aber anscheinend das Wetter nicht gütig stimmen konnten, denn aus dem strahlenden Sonnenschein entwickelte sich zum Ende der 100m Brust langsam aber sicher ein Gewitter samt stärkerem Regen, sodass der Wettkampf unterbrochen werden musste und sich der ganze Verein im Umkleidenbereich versteckte. Glücklicherweise zog das Gewitter am Bad vorbei und der Regen hörte nach einer Viertelstunde wieder auf, sodass es noch recht pünktlich weitergehen konnte.

Nachdem sich unser Neu-Mastersschwimmer Stefan Gahner über die 1500m Freistil in einer ordentlichen Zeit von 27:56,71 Minuten gekämpft hatte, standen zum Abschluss die Freistilstaffeln an. Diesmal waren alle Startkarten und Staffelschwimmer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und wieder waren wir sehr erfolgreich in den Wettbewerben. Bei den Frauen siegte die erste Mannschaft mit Paula Wachtel, Anselina Peschke, Nora Flehmig und Elisabeth Sittner in 2:02,00 Minuten (die Schallmauer rückt näher) vor einer Mannschaft aus Österreich und der Hainsberger Zweitbesetzung in Person von Maja Rösner, Saskia Fritzsche, Laura Sieber und Alina Krause in 2:10,43 Minuten. Die Männer (Tim Grunze, Maxim Fritsche, Philipp Ziegenbalg, Christian Fritzsche) knallten in 1:48,58 die Siegerzeit ins Becken, die zweite Männermannschaft erreichte in Besetzung Moritz Gersch, Konrad Röhringer, Marius Rösner und Benjamin Sohr in 2:01,53 Minuten einen soliden vierten Platz.

In den Staffeln waren wir dieses Jahr also unschlagbar, im Gesamt-Medaillenspiegel belegten wir den vierten Platz und Nora Flehmig (1998) sicherte sich in der Altersklasse 2001 und älter noch den Pokal für die Punktbeste Leistung (50m Rücken in 33,01 Sekunden, 550 Punkte). Insgesamt kann man mit der Wettkampfleistung aus Vereinssicht also ziemlich zufrieden sein.

Nach dem obligatorischen Gruppenbild ging es zurück zu den Zelten, es gab Nudeln zum Abendbrot und als kleine Überraschung wartete noch eine Drachenbootfahrt auf dem See. Angesichts dieser umfassenden Betätigung auf und im Wasser neigte sich der Abend bei den Meisten trotz nicht vorgegebener Nachtruhe schnell in Richtung Zelt. Die üblichen Verdächtigen saßen noch eine Weile am Lagerfeuer und wurden mehr oder weniger gewollt Teil eines parallel stattfindenden Junggesellinnenabschiedes (tolles Wort). Doch auch die Letzten kippten vor dem Morgengrauen irgendwann in den Schlafsack.

Tag 3

Der dritte Tag begann wie der zweite mit einem Frühstück im Freizeitpark, danach wurden die restlichen Zelte abgebaut, noch ein letztes Mal auf dem Trampolin getobt, Gepäck und Menschen in die Busse gestopft und sich auf den Heimweg gemacht. Auf etwa halber Strecke wartete aber noch der Freizeitpark Plohn auf uns. Dort schnappten sich je drei Jüngere einen Älteren und zerrten ihn in die verschiedenen Fahrgeschäfte. Besonders viel Spaß machte offensichtlich die Wildwasserbahn, aber nur, wenn die drei kleineren hinten sitzen und der große Vordermann das Spritzwasser abfängt. Aber immerhin kam man so zu etwas Erfrischung, denn es war wieder sehr warm und die Schattenplätze rar. Neben der Wildwasserbahn konnte man sich unter anderem noch in eine rasante Holzachterbahn, eine heftig rotierende und auf Wasser rutschende Kaffeetasse und in wild umherwirbelnde Fliehkraft-Junkie-Kühe setzen. Neben dem Adrenalinpegel füllten wir uns auch noch unseren Magen in dem glücklicherweise nicht so vollen Freizeitpark auf.

Etwa 15:30 Uhr setzten wir unsere Heimfahrt fort und glücklicherweise war uns der große Autobahngott der A4 wohlgesinnt, wir schafften es im Wochenendheimverkehr ohne Staus bis nach Wilsdruff, wo die Busse für einen nicht ganz so schmalen Taler wieder vollgetankt wurden. Anschließend ging es dann zurück ans Hains, wo wir mit leichter Verspätung eintrafen und es schafften, alles Gepäck zu den Kindern und alle Kinder zu den Eltern zu sortieren. Geschafft, und es war ein echt schönes Wochenende!

Da die Mietwagen noch zurück zum Flughafen mussten und so eine Fahrt ohne Stau auch nicht das Wahre ist, stellten sich vier Hainsberger noch in Dresden auf die wegen des Dynamo-Klassenerhalts-Endspiels gesperrte St. Petersburger Straße. Aber nach einiger Zeit im Großstadtstaub-Ambiente und einer abenteuerlichen Stau-auf-der-Autobahn-und-ihren-Zubringern-Vermeidungs-Heimfahrt kamen auch sie zuhause an.

Fazit

Viel Spaß bei erstaunlich wenig Stress, so kann es das nächste Jahr gern wieder laufen!